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Projektarbeit mit und für HIV-positive Menschen

Projektarbeit mit und für HIV-positive Menschen

Das dritte und umfangreichste Projekt beschäftigt sich interdisziplinär mit der Problematik HIV und AIDS. Dabei spielen auch noch weitere Infektionskrankheiten wie die Tuberkulose und die Malaria eine sehr große Rolle. Diese Krankheiten betreffen meist die jüngeren Menschen (Kinder) in Afrika und stellen sowohl einzeln – als auch in ihrer leider häufig vorkommenden Kombination – die häufigste Todesursache im südlichen Afrika dar. Eine solch komplexe Problematik braucht auch komplexe Lösungsansätze, die sich durch unsere Nähe zur universitären Lehre und Forschung sehr gut mit dem interdisziplinären Ansatz von AGET e. V. umsetzen lassen.

Aktuell ist ein Jugend-und-Kultur-Center in Planung, in dem die jungen HIV-infizierten Menschen bzw. Aids-Waisen temporär unterkommen und eine Ausbildung machen können. Ausbildungen sollen es ihnen ermöglichen, wirtschaftlich auf eigenen Beinen zu stehen. Das ist vorwiegend für junge Frauen wichtig, die in Tanzania per se nicht erbberechtigt und daher oft mittellos sind. Aktuell ist es häufig so, dass eine junge HIV-positive Frau ihre Infektion verleugnen muss, um einen Partner zu finden, der zumindest eine Hütte hat, in der sie dann mitleben kann.
Dies führt häufig nicht nur dazu, dass sie höchstwahrscheinlich ihren Partner infizieren bzw. selbst wieder HIV-positive Kinder bekommen. Die Verleumdung der Krankheit führt dazu, dass die betroffenen Frauen medizinische Hilfe in Form von Medikamenten nicht annehmen und nutzen. Die Medikamente gegen das HI-Virus werden, sobald man in einem Programm registriert ist, von der Weltbank und der Melinda & Bill Gates Stiftung finanziert. Um diesem Teufelskreis vorzubeugen, wird AGET e. V. interessierten, HIV-positiven Jugendlichen eine Ausbildung in verschiedenen praktischen Berufen zukommen lassen. Aktuell sind wir dabei, in Kooperation mit dem wirtschaftswissenschaftlichen Institut der Philipps-Universität Marburg (Prof. Stefan), eine Bäckerei aufzubauen, in der die Frauen ausgebildet und anschließend arbeiten werden und damit ein wirtschaftlich unabhängiges Leben führen können.

Ein weiteres Problem vor Ort besteht darin, dass ein Großteil der Kühe in Tanzania Tuberkulose hat, die über nicht abgekochte Kuhmilch auf den Menschen übertragen werden kann.
Durch ein striktes Verbot der Nationalpark-Behörde, Feuerholz zu schlagen, können die meisten Bauern ihre Milch nicht mehr abkochen und geben ihren Kindern die rohe Milch zu trinken. Sehr häufig bekommen diese dann, besonders wenn ihr Immunsystem durch eine HIV-Infektion geschwächt ist, eine Darmtuberkulose. Hier ist unser nachhaltiger Ansatz, die Milch und den Kuhdung von den Bauern einzusammeln und die Milch mittels Biogas abzukochen. Die Milch, die nicht für den eigenen Bedarf benötigt wird, soll den Bauern zu fairen Preisen abgekauft und durch HIV-positive junge Menschen zu Milchprodukten weiterverarbeitet werden, die diese wieder verkaufen können.

Ein drittes Projekt, das wir aktuell in Zusammenarbeit mit der medizinischen Fakultät, den Informatikern, den Wirtschaftswissenschaftlern und der deutschen AIDS Gesellschaft angehen, ist die jugendgerechte Aufklärung zum Thema HIV und AIDS. Ähnlich wie in Deutschland haben viele Jugendliche in Tanzania ein Handy oder ein Smartphone. Die aktuellen Aufklärungskampagnen zum Thema HIV und AIDS finden größtenteils durch seitenlange Infohefte statt, die kein Mensch liest. Der Hintergrund ist, dass Lesen in Afrika einen noch viel geringeren Stellenwert hat als in Deutschland. Unser absolut innovatives und neuartiges Konzept ist es, die Jugendlichen mit App´s über das Thema HIV und AIDS aufzuklären.

Wir sind sehr stolz darauf, den Nobelpreisträger Prof. Jules Hoffmann, der für mehrere Jahre am
Fachbereich Medizin in Marburg gearbeitet hat, als Schirmherren für diesen Bereich gewonnen zu haben.


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